Das Kriegerdenkmal in Oppenau an seinem Standort von 1934 in einer Aufnahme vom Winter 2014.
Das Kriegerdenkmal mit den nachträglich ergänzten Säulen im Hintergrund, die die Namen der im Zweiten Weltkrieg gestorbenen Soldaten verzeichnen.
Das Ensbemble befindet sich aktuell "im Umzug": Im Juni 2014 begannen die Abrißarbeiten am Denkmal, um Platz für 11 Parkplätze zu schaffen.
In memoriam temporalis - "memento 190" bleibt so lange eine temporäre Gedenkstätte der Umzug des Kriegerdenkmals abgeschlossen ist.
Blick zurück in die ambivalente Geschichte: "Einweihung des Kriegerdenkmal der Kirchspiel-Gemeinden Oppenau 3. Juni 1934"
Das wenige Meter entfernt liegende Denkmal für die im Ersten Weltkriege gefallenen Mitglieder des Turn- und Sportvereins.
Eine weitere Erinnerungsstätte ist an der Oppenauer Friedhofskapelle, wo die wenigen in Oppenau bestatteten Kriegstoten namentlich verzeichnet sind.
Bereits 1929 ließ der Schwarzwaldverein in Allerheiligen ein Denkmal für seine gefallenen Mitglieder errichten, hier in einer historischen Aufnahme.
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Das 2014-2015 sich "im Umzug" befindliche Denkmal für die gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg in Oppenau sorgte immer wieder für Kontroversen. Es wurde im Auftrag des Kriegervereins von dem Freiburger Bildhauer Hugo Knittel (1888-1958) entworfen und am 3. Juni 1934 in der Gemeinde im Nordschwarzwald feierlich eröffnet. Gemeinsam mit den anderen von Knittel entwickelten Denkmälern, stellt es einen wichtigen Beitrag zur Regionalgeschichte in Süddeutschland dar. Nach 1945 wurde das Denkmal um zwei Säulen mit Gedenktafeln für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges ergänzt, die ebenfalls dem Parkplatz weichen mussten. Über Jahrzehnte hinweg wurde an dieser Stelle am Volkstrauertag der Kriegsopfer gedacht.

Das Kriegerdenkmal ist die einzige Stätte in Oppenau, die namentlich alle gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges anführt. Die ungeheure Zahl von 190 Toten weist bei der damaligen Bevölkerung hin, daß knapp jeder zehnte männliche Oppenauer im Krieg verstarb und wohl jede Familie betroffen war, insbesondere, wenn man körperlich und geistig versehrte Heimkehrer mit einbezieht. Für Anstoß sorgte das Denkmal nicht nur wegen seiner martialischen Darstellung eines Soldaten, der eine Granate Richtung Westen, also Frankreich, schleudert, und an dessen Knie gerade sein verletzter Kamerad dem Tode entgegensieht. Vielmehr sorgte insbesondere die Inschrift "Wenn Tausend einen Mann erschlagen / das ist nicht Sieg nicht Ruhm nicht Ehr! Und heißen wird's in späten Jahren / gesiegt hat doch das Deutsche Heer!" immer wieder für heftige Diskussionen bis zum Magazin "Stern". Gerade darin läßt sich auch das Potential des Denkmals sehen: Schließlich ist es zusammen mit den beiden Säulen nicht nur Erinnerungsstätte an die beiden Weltkriege, sondern es ist zugleich Mahnmal, das an die dunkle Zeit zwischen 1933-1945 erinnert. Eine mehrsprachige Begleittafel, die auf den problematischen Hintergrund des Denkmals verweist, fehlt bis heute.

Bisherige Berichterstattung:
16. November 2013. Parkplätze statt Denkmal?
22. Januar 2014. Elf Parkplätze im Stadtpark
8. Mai 2014. Kriegerdenkmal wird eingelagert
5. Juni 2014. Oberkircher renoviert Denkmal
21. Mai 2015. Platz für Denkmal steht fest

Das Projekt begleitete eine kleine Ausstellung mit Dokumenten aus der Entstehungszeit des Kriegerdenkmals, die nach Vereinbarung besichtigt werden konnte.